Ilmenau-Radweg

Ilmenau-Radweg

Sept./Okt. 2023

Tag 1

Tag 2

Tag 3

Der Ilmenau-Radweg

die Ilmenau

die Ilmenau

Da wir uns im Frühjahr 2023 entschlossen hatten innerhalb von Hannover umzuziehen, war es auch in diesem Jahr für uns nicht möglich den ursprünglich geplanten Saale-Radweg zu fahren. Als kleinen Ausgleich für diese große Tour haben wir 2023 zwei Kurzurlaube in Wien und Paderborn unternommen, bei denen wir unsere neu erworbenen Falträder testen konnten (s. hierzu unsere Faltradtouren). Ende September haben wir dann das verlängerte Wochenende zum 3. Oktober genutzt, um mit unseren großen Rädern die Ilmenau zu erkunden.

Die An- und Abfahrt aus Hannover zur Radtour ist vergleichsweise kurz und unkompliziert und so konnten wir ziemlich spontan das als trocken vorhergesagte Wetter für diese Unternehmung genutzt.

Die ca. 140 km lange Strecke, die wir an drei Tagen mit Übernachtungen in Uelzen und Lüneburg zurücklegten, gliederte sich in folgende Etappen:

Tag 1: Von Bad Bodenteich nach Uelzen (25 km)

Nach unserer Ankunft am Bahnhof Bad Bodenteich fuhren wir zunächst zum Parksee , der von der Aue, einem der Quellflüsse der Ilmenau gespeist wird. Von dort sind es nur ein paar hundert Meter bis zur Burg Bodenteich , wo wir auch schon den ersten Wegweiser des Ilmenau-Radwegs fanden. An der Burg finden sich neben weiteren Hinweistafeln auch Informationen zum Ilmenau-Radweg. Darüber hinaus gibt es hier einen Barfußpfad und eine Kneippanlage .

Nachdem man das Gelände der Burg über eine Brücke verlassen hat, beginnt der Ilmenau-Radweg gleich, wie in der Werbung versprochen, sehr naturnah . Nach einem kurzen Stück durch den Wald ging es dann aber zunächst auf kleineren Straßen aus der Ortschaft hinaus. Hier fanden wir auch einen Bahnübergang , dessen Beschilderung deutlich moderner ist, als die nicht-elektrifizierte Strecke auf die er hinweist. So erreichten wir die Ortschaft Wieren mit ihrer Feldsteinkirche . Danach führt die Strecke ein kurzes Stück unmittelbar an der Aue entlang.

Hier und auch an der späteren Streckenführung ist zu merken, das der Ilmenau-Radweg vor einigen Jahren mit Bedacht angelegt wurde. Leider ist seitdem aber offenbar nicht mehr viel für den Erhalt der Strecke investiert worden. Nach einer kurzen Schleife durch Wieren führt die Strecke zum Elbe-Seitenkanal , an dem wir, einem Wegweiser folgend, diesseitig entlangfuhren.

Schleuse Uelzen

Schleuse Uelzen

Das stellte sich im weiteren Verlauf als eher ungünstig heraus. Es ist zwar anzunehmen, dass die den Kanal begleitenden Wege auf beiden Seiten ganz ähnlich ausgebaut sind, bei der Ankunft an der Doppel-Schleuse Uelzen mussten wir so aber zunächst den Kanal über das Unterwasser queren, um dann auf der anderen Seite die 23 m Höhendifferenz zur Besucherplattform wieder aufzusteigen. Hätten wir den Kanal, wie vorgesehen, gleich bei Wieren gequert wären wir am Oberwasser direkt an der Plattform angekommen.

Die Besucherplattform ist auf jeden Fall zu empfehlen, kann man hier doch beobachten, wie beim Schleusenvorgang das Wasser spektakulär in die offenen Wassersparbecken schießt. Auch der Ausblick ins Land kann beeindrucken.

Nach der Schleuse geht es zunächst über Waldwege bis zur ersten Brücke über die Ilmenau, die hier durch den Zusammenfluss von Gerdau und Stederau entsteht. Kurz darauf erreicht man, der Ilmenau folgend, über mehrere Brücken das erste Etappenziel Uelzen.

Tag 2: Von Uelzen nach Lüneburg (50 km)

Weil wir unsere Unterkunft ohne Frühstück gebucht hatten, begannen wir den Tag mit einem Sonntagsfrühstück im durchaus empfehlenswerten Café Im Stadtgarten . Frisch gestärkt ging es von Uelzen zunächst wieder am Elbe-Seitenkanal entlang. Diesen überquerten wir dann, um nach einem weiteren Abschnitt durch den Wald wieder an den Kanal zurückzukehren.

In diesem Bereich unterquert die Ilmenau den Elbe-Seitenkanal gleich zweimal. An dieser Stelle ermöglicht eine lange Treppe den Aufstieg zum Kanal. So kann man die Aussicht genießen und gleich Bilder von der Ilmenau und den eigenen Rädern aus der Vogelperspektive machen.

Weiter ging es wieder durch den Wald, in dem sich auch eine von mehreren zum Radweg gehörenden Schutzhütten befindet. Ein kurzen Abstecher in die Klein Bünstorfer Heide ließ ahnen, dass die Heideblüte hier bestimmt malerisch ist. Durch ein weiteres Waldstück erreichten wir Bad Bevensen mit seiner außergewöhnlich großen Sonnenuhr . Leider fehlte uns die Sonne für die Bestimmung der Uhrzeit.

Im beschaulichen Bad Bevensen war offensichtlich gerade verkaufsoffener Sonntag. Nach einer kurzen Rast in einem Café fiel uns beim Verlassen der Ortschaft noch ein ungewöhnliches Verkehrsschild auf. Im weiteren Verlauf des Radweges dominierten immer wieder Waldwege die Streckenführung. Vorbei am Kloster Medingen ging es so nach Bienenbüttel, in dessen Ortsteil Hohenbostel wir diese Werkzeugsäule an einem Rastplatz fanden. Das Wetter hat dem Werkzeug jedoch schon ziemlich zugesetzt, sodass sich die Zange z.B. nicht mehr öffnen ließ. Ein weiterer Beleg dafür, dass der Ilmenau-Radweg mit einigem Aufwand angelegt, sich dann aber selbst überlassen wurde.

Bis Lüneburg ging es nun fast ausschließlich über mehr oder weniger gut zu befahrende Waldwege . Hinter einer kurzen, aber heftigen Steigung - in die Gegenrichtung wurde vor dem Gefälle gewarnt, uns hat jedoch keiner vor der Steigung gewarnt - fand sich eine fast verwunschen wirkende Infotafel mit einem versteckten Fahrradbügel. Und dann hatten wir Lüneburg auch schon erreicht. Nachdem wir unsere Unterkunft in der Jugendherberge bezogen hatten, führte uns der abendliche Spaziergang noch auf die gerade stattfindenden Sülfmeistertage , ein mittelalterliches Stadtfest in Lüneburg.

Tag 3: Von Lüneburg nach Hoopte und weiter bis Winsen (Luhe)

Da die Jugendherberge in Lüneburg südlich des Stadtzentrums liegt, führte uns der Ilmenau-Radweg am nächsten Morgen zunächst noch einmal durch die sehenswerte Innenstadt von Lüneburg mit ihren vielen beeindruckenden alten Häusern. Am alten Hafen vorbei ging es zunächst idyllisch an der Ilmenau entlang.

Bald schon endete leider die gut ausgebaute Strecke und weiter ging es auf schmalen Pfaden durch den Wald. Mit der Nähe zur Elbe kamen dann jedoch die ersten Deiche und die damit verbundenen befestigten Wege. Mit der mittlerweile zu einem stattlichen Fluss angewachsenen Ilmenau erreichten wir so die Mündung in die Elbe bei Hoopte. An der Fähre Hoopte-Zollenspieker schauten wir dem Treiben eine Weile zu und fuhren dann noch die kurze Strecke bis zum Bahnhof in Winsen (Luhe).

Fazit:
einspuriger Radweg durch den Wald

einspuriger Radweg durch den Wald

Der Ilmenau-Radweg wird als Naturerlebnis dem Tourismusmarketing durchaus gerecht. Das hat aber natürlich zwei Seiten. Einerseits gibt es viele schöne Ausblicke und noch mehr Wald zu sehen, andererseits sind die vielen Waldwege jedoch zum Großteil in einem Zustand, der das Befahren mühsam macht und so viel Konzentration erfordert, dass man nicht recht zum Genießen der Natur kommt. Ein Teil der Wege ist eher für Gravelbikes geeignet und weniger für voll beladene Trekkingräder. Ein Befahren mit (Kinder-)Anhänger dürfte problematisch werden.

Wer neben der Natur auch etwas für Wasserbau übrig hat, findet hier mit der Schleuse Uelzen und den beiden Unterquerungen des Elbe-Seitenkanals viel Interessantes. Das nordöstlich von Lüneburg liegende Schiffshebewerk Scharnebeck gehört jedoch nicht zum Ilmenau-Radweg. Hier sind wir 2017 auf unserem Weg über die Alte Salzstraße vorbeigekommen: Alte Salzstraße 2017.

Freunde von historischen Bauten kommen in Lüneburg, aber auch in Uelzen auf ihre Kosten. Der Endpunkt des Ilmenau-Radweges am Fähranleger Hoopte bietet außerdem die Möglichkeit die Elbe zu queren und auf dem Elbe-Radweg auf einer alten Bahntrasse bequem bis fast in die Hamburger Innenstadt zu radeln (ca. 24 km). Den Weg sind wir im Juli 2019 gefahren: Elbe-Radweg 2019

Insgesamt war unser Eindruck, dass der Ilmenau-Radweg vor einigen Jahren mit einigem Aufwand erstellt und ausgebaut wurde, er seitdem aber kaum noch gepflegt wird. Positiv ist aber die immer noch vorhandene nahezu lückenlose Ausschilderung.

Der Ilmenau-Radweg hat uns an drei Tagen durch Ortschaften und an Orte gebracht, die wir trotz der relativen Nähe zu unserem Wohnort wohl sonst nicht gesehen hätten.